07.10.2016

Ätherische Öle selbst hergestellt

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Düfte regen unsere Sinne an. Tief einatmen und dabei einen wunderbaren Geruch wahrnehmen – schon lässt man für einen kurzen Moment ein Stück weit locker und entspannt automatisch. Viele Duftstoffe werden heutzutage allerdings synthetisch hergestellt, natürliche sind meist teuer und nur in Spezialshops erhältlich.

Unter ätherischem Öl versteht man im Allgemeinen alle aus einer Pflanze stammenden Duftstoffe. Riecht man an Blumen oder an Gewürzen, nimmt man deren ätherische Öle wahr.
Diese Öle selbst in kleinen Mengen zu extrahieren ist gar nicht so schwer wie vermutet. Man braucht nicht einmal ein besonderes Equipment. Theoretisch reicht ein Teekessel oder ein Dampfdrucktopf, obwohl es zugegebenermaßen mit einer kleinen Dampfdestille aus Kupfer sehr viel einfacher ist. Aus zollrechtlichen Gründen sind in Deutschland nur Destillen mit einem Fassungsvermögen von 0,5 Litern erlaubt, die aber gibt es in verschiedenen Ausführungen im Internet. Klar ist die Anschaffung einer Destille ziemlich teuer, wer sich aber intensiver mit der Materie beschäftigt hat, mag wie wir vielleicht nicht mehr auf die eigenen Öle verzichten.

Destille. Ätherische Öle selbst hergestellt
Dampfdestille (© Nina Dittmann)

Normalerweise besteht so eine Dampfdestille aus einem (Kupfer-)Kessel, einem „Dampfdom“, über den der erzeugte Dampf in ein Rohr geleitet wird, und einer Kühlspirale, in dem Dampf und flüchtige Öle wieder kondensieren. Ein einfaches Grundprinzip, das schon seit Jahrtausenden angewandt wird.

Dampfdestillieren kann man quasi alle intensiv duftenden Pflanzen, Wurzeln und Gehölze, sofern man jeweils eine größere Menge davon hat. In unseren Gefilden sind das beispielweise Lavendel, Thymian oder Rosmarin, aber auch Rosen oder Nadelgehölze. Der Klassiker, der auch bei uns gut wächst, sind die vielen verschiedenen Minzarten. Sie eignen sich hervorragend für eine Dampfdestillation und ergeben eine recht ansehnliche Ölausbeute, mit denen man tolle Badezusätze oder Tinkturen herstellen kann. Pfefferminzöl lindert bekanntermaßen Verspannungen, Kopfschmerzen sowie Atem- und Verdauungsbeschwerden und wirkt antiseptisch. Meine Kopf- oder Nackenschmerzen werden in der Badewanne augenblicklich besser, ich bin immer wieder überrascht!

Im Hochsommer, wenn unsere Pfefferminzpflanzen kräftig ausgetrieben haben und prächtig in ihrer Blüte stehen, schneiden wir sie büschelweise. Der Anteil an ätherischen Ölen ist am höchsten, wenn die Sonne zuvor mehrere Tage geschienen hat. Blätter und Ästchen schneiden wir mit einer Schere in kleine Stücke oder häckseln sie in einer Küchenmaschine.
Das Pflanzenmaterial geben wir nun in einen Gazebeutel (ein Stück einer alten Gardine oder Moskitonetz) und befestigen ihn mit einer durch das Geistrohr gezogenen Schnur oben im „Dampfdom“. Je mehr Pflanzenmaterial im „Dom“ desto besser. Dann bringen wir das Wasser im Kessel auf einem Gasherd zum Kochen. Der entstehende Dampf zieht durch das Pflanzenmaterial in unserem improvisierten „Aromakorb“ und reißt die leicht flüchtigen ätherischen Öle mit sich. In der Kühlspirale kondensiert der Wasserdampf und wird in einer enghalsigen aufgefangen. Es entsteht ein Destillat aus zwei Phasen: Dem Hydrolat (also Wasser mit winzigen gelösten Öltröpfchen) und einer (manchmal allerdings zugegebenermaßen nur sehr kleinen) Schicht reinen ätherischen Öls, das man später mit einer Spritze oder einer Pipette abzieht. Hydrolat und Öl sollte man zunächst am besten mehrere Wochen kühl und dunkel lagern, denn das volle Aroma entfaltet sich meist erst nach und nach.

Das Hydrolat nehmen wir mit einem Esslöffel Honig als Badezusatz, das reine Öl verwenden wir tröpfchenweise als Duftöl oder angesetzt mit einem neutralen Trägeröl (z.B. Sonnenblumenöl) zum Würzen. Ätherische Öle sollte man innerlich nicht unverdünnt zu sich nehmen, in zu hoher Konzentration können sie sogar giftig sein!

Wer mehr über die eigene Herstellung ätherischer Öle wissen will, kann mit diesem Buch oder hier tiefer in die Materie einsteigen:

Probiert es doch einfach mal aus!

Gelesen 1074 mal Letzte Änderung am 09.10.2016

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