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16.02.2018

Arme Schweine!

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Vor einigen Tagen erreichte uns ein Schreiben des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Es ging um die drohende Afrikanische Schweinepest (ASP).

Im Juni 2017 wurde die Afrikanische Schweinepest erstmals in der Tschechischen Republik festgestellt, ca. 300 km von der Grenze zu Deutschland entfernt. Nach dem Schreiben gilt es als höchstwahrscheinlich, dass sich das Virus auch auf hiesige (Wildschwein-)Populationen ausbreiten wird. Alle Schweinehalter, auch die Hobby- und Kleinsthalter, wurden daher aufgefordert, "gemeinsam die notwendigen Mindestmaßnahmen zur Schutz vor ASP umzusetzen".

Arme Schweine!
Arme Schweine! (© Nina Dittmann)

Für uns mit unserer naturnahen Freilandhaltung bedeutet das einen erheblichen Einschnitt. Zusätzlich zu den "normalen" Vorkehrungen, die man nach der Schweinehaltungshygieneverordnung sowieso treffen muss, wie zum Beispiel eine doppelte Einzäunung, wurden wir nun aufgefordert, weitere Maßnahmen zum Schutz unserer Schweine zu ergreifen. Dazu gehört unter anderem folgendes:

Wir sollen unseren Stall abschließen (welchen Stall?), kein Grünfutter verfüttern (Luzerne und Klee geben unseren Tieren zusätzliches pflanzliches Protein), keine Küchen- und Speiseabfälle mit tierischen Anteilen und keine Lebensmittelmarktabfälle geben (der Hauptbestandteil unserer Fütterung!), keine Hunde in die Nähe der Schweine lassen (fast unmöglich bei Freilandhaltung) und einiges mehr, was für uns nur sehr schwer umsetzbar ist.

Dazu kommt natürlich auch die Gefahr für unsere Tiere selbst. An der ASP können nur Wild- und Hausschweine erkranken, für Menschen ist sie ungefährlich. Bei den Tieren dagegen endet die Seuche fast immer tödlich. Es gibt keine Impfung. Die Symptome sind unspezifisch: die Tiere sind abgeschlagen, appetitlos und bekommen hohes Fieber. Sie sterben sehr schnell.
Das wollen wir unseren Schweinen nicht antun!

Und sollte es zum Ausbruch der ASP in unserem Gebiet kommen, sind wir wie alle anderen Schweinehalter auch von einem Transport- und Schlachtverbot betroffen. Wir könnten unsere Tiere also nicht einmal in Sicherheit bringen bzw. sie vorzeitig zum Metzger fahren, um einer Ansteckung zuvorzukommen.

Das alles führte dazu, dass wir uns sehr schweren Herzens entschlossen haben, dieses Jahr keine Schweine zu halten. Wie im vergangenen Jahr bei der Geflügelpest müssen wir uns den Präventionsmaßnahmen beugen.
Darüber sind wir sehr traurig, denn das fröhliche Treiben auf unseren Weiden fehlt uns schon jetzt!

Gelesen 786 mal Letzte Änderung am 16.02.2018