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29.08.2018

Küken aus Naturbrut

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Endlich sind bei uns mal wieder Küken aus Naturbrut geschlüpft!
Lange Zeit hatten wir kein Glück. Zuerst fehlte eine Glucke, denn im vergangenen Herbst waren alle unsere eingewöhnten Hennen einem blutigen Marderangriff zum Opfer gefallen.

Die neuen Hühner sind allesamt Hybriden (so heißen die modernen, hochgezüchteten Legehühnerrassen), die generell leider eher selten glucksig sind. Zu sehr wurden sie auf die reine Eierproduktion gezüchtet und haben den Bruttrieb darüber meist verloren.
Werden Hybriden jedoch artgerecht gehalten, besinnen sie sich manchmal doch auf ihre ursprünglichen Instinkte, auch ohne einen Hahn. Zu unserer Freude setzte sich eine unserer Hennen schon vor einigen Wochen das erste Mal dauerhaft auf ein Nest – nur fehlten uns dann die Bruteier. Aus Rücksicht auf die Anwohner in der Nähe halten wir keinen Hahn. Kurzerhand legten wir ihr fünf Eier unserer Deutschen Pekingenten unter in der Hoffnung, so eine „Leihmutter“ für die seltene Entenrasse zu bekommen, die das Brüten selbst auch weitestgehend verlernt hat. Leider war die Aktion nicht von Erfolg gekrönt, die Eier entwickelten sich nicht ausreichend. Enteneier benötigen eben doch andere Brutbedingungen als Hühnereier. Nach 30 Tagen erlösten wir die Glucke von ihrem geduldigen Ausharren und leerten das Nest. Einige Tage Zwangsentwöhnung im Junggeflügelstall folgten, anschließend kehrte sie zu ihrer Schar zurück.

Dann der zweite Anlauf: Wieder begann sie glucksende Laute auszustoßen und setzte sich einige Tage später auf ihr extra gepolstertes Lieblingsnest. Dieses Mal reagierten wir artgerechter und besorgten uns 10 Bruteier seltener Hühnerrassen von einem nahegelegenen Archehof. Freudig nahm die Henne die Eier an, schob sie sich aus der Menschenhand heraus selbst vorsichtig unter ihre Flügel und begann zu brüten.
Dieses Mal jedoch wollten sich ihre Artgenossinnen den Platz im schönsten Nest nicht dauerhaft streitig machen lassen. Immer wieder drängelten sie sich mit hinein und legten ihr Ei zum Gelege. Die häufigen Rangeleien dabei führten dazu, dass innerhalb weniger Tage insgesamt vier Bruteier zu Bruch gingen. Irgendwann flüchtete dann auch die Glucke und setzte sich auf ein anderes Nest. Bei einer abendlichen Kontrolle mussten wir feststellen, dass ihr Gelege trotz der Sommerhitze bereits ausgekühlt war. Kurzerhand setzen wir die Henne zurück und zogen sie mitsamt Nest in ein unbenutztes kleines Gewächshaus um, wo sie ihre Ruhe hatte. Viel Hoffnung auf Küken hatten wir allerdings nicht mehr, denn nach einigen Tagen sortierte sie selbst zwei weitere Eier aus, indem sie sie aus dem Nest stieß. Wir gehen davon aus, dass auch die beschädigt waren.

Küken aus Naturbrut
Küken aus Naturbrut (© Nina Dittmann)

Also waren zum Schluss nur noch vier Eier da, die unsere Glucke jedoch emsig weiter bebrütete und aus denen nach 21 mehr als turbulenten Tagen dann drei Küken schlüpften. Die Geduld hat sich also doch noch gelohnt. Die Drei sind topfit und die Glucke scheint eine gute Mutter zu sein. Sie führt ihre Küken vorbildlich.
Was für ein Unterschied zur Kunstbrut, bei der peinlich genau auf Sauberkeit, Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Brutautomaten geachtet wird und die Schlupfrate allermeist trotzdem nicht 100 Prozent erreicht. Die Natur schafft den Weg auch unter widrigen Bedingungen und das Heranwachsen ist für die Kleinen ganz sicher schöner als in einer Kükenkiste mit Rotlichtlampe!

Gelesen 84 mal Letzte Änderung am 29.08.2018

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