Sie sind hier:Startseite»Blog»Artgerechte Tierhaltung»Stallpflicht
29.11.2016

Stallpflicht

geschrieben von

Nun hat uns die Stallpflicht also doch erreicht – oder besser gesagt unser armes Geflügel.

Nachdem weitere tote Wildvögel mit Verdacht auf Vogelgrippe in Hessen gefunden worden waren, wurde Anfang letzter Woche die landesweite Stallhaltung ab dem 24.11.16 für jedes Geflügel angeordnet, und zwar für ausnahmslos alle Halter, auch für die mit Kleinstbeständen. Damit wurde die bisher gültige Stallflicht in den Risikogebieten Hessens entsprechend ausgeweitet. Lange gehörten wir nicht zum Risikogebiet…

Für uns bedeutete das einen erheblichen und schmerzhaften Einschnitt. Bis jetzt hatten wir unsere Enten und Hühner im Freien gehalten, nur mit geeigneten Schutzbehausungen für die Nacht. Sie brauchten keinen „echten“ Stall, denn schließlich halten wir ja genau aus diesem Grunde robuste (alte) Nutztierrassen.
Wo sollten wir nun hin mit unseren Tieren? Uns blieb nichts anderes übrig, als die Hälfte unsers Bestandes zu schlachten, um wenigstens einigen wenigen ein halbwegs artgerechtes Dasein während der „Aufstallung“ bieten zu können. Zum Glück haben wir ein größeres Gewächshaus, das wir zu einem den strengen Anforderungen entsprechendem Behelfsstall umfunktionieren konnten.
Trotzdem sitzen die Tiere im Vergleich zu ihrem Leben draußen nun dicht an dicht – und das vorläufig bis zum 20. Mai 2017. Dieses Datum jedenfalls sieht ein Eilerlass des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft vor, der mit Wirkung zum 21.11.16 in Kraft trat.

Geflügel
Enten und Hühner (© Nina Dittmann)

Vom hiesigen Veterinäramt kam inzwischen ein dreiseitiges Schreiben an alle (angemeldeten) Geflügelhalter mit vielen einschneidenden Maßnahmen, die ab sofort umzusetzen sind: Neben der Stallhaltung muss unter anderem „betriebsfremden Personen“ der Zutritt zu den Tieren verwehrt werden, die Ställe müssen abgeschlossen werden und es müssen, was bei einer kleinen Hühnerschar zum Beispiel im eigenen Garten schon fast grotesk erscheint, beim Betreten und Verlassen des Stalles die Schuhe desinfiziert und Einwegschutzkleidung getragen werden – oder aber Mehrwegschutzkleidung, die regelmäßig gewaschen und desinfiziert werden muss. Außerdem: „Im Betrieb- vorzugsweise im Umkleide- bzw. Vorraum- ist eine Einrichtung zum Waschen der Hände vorzuhalten und bei Betreten und Verlassen der Stallungen zu nutzen.“
Zusätzlich müssen alle Geflügelhalter, „die 10 oder mehr Stück Geflügel halten“ (allein die Wortwahl!), „je Werktag die Zahl der gelegten Eier aufzeichnen.“

Ab sofort sollen wir uns also wie die weiß gekleideten Spurensicherer im sonntäglichen „Tatort“ unseren leise gackernden Legehennen und erwartungsvoll schnatternden Enten nähern? Eine sehr gewöhnungsbedürftige Vorstellung für uns…
Auch Börsen, Märkte und Vogelschauen sind jetzt verboten. Für viele Züchter ist das ein weiterer herber Rückschlag, freuten sie sich doch schon das ganze Jahr auf ihre Vogelschauen und haben bereits viel Arbeit in die Vorbereitungen investiert. Dabei werden viele der Ziervögel überhaupt nicht im Freien gehalten…

Wir versuchten und versuchen, unseren verbliebenen vier Hennen und vier Enten in ihrem unfreiwilligen neuen Zuhause eine minimal passende Umgebung zu schaffen. Eine alte Sandmuschel als „Badeteich“, Nester mit Stroh, Laub zum Scharren und Rückzugsecken, soweit es auf den wenigen Quadratmetern überhaupt möglich ist. Das alles hilft aber nicht im Entferntesten darüber hinweg: Es wird ein langer und vermutlich stressiger Winter für unser Geflügel. Wollen wir hoffen, dass der Spuk wenigstens dann ein Ende hat, wenn alle Zugvögel Mitte Mai nächsten Jahres gesund aus ihren Winterquartieren zurück sind!

Gelesen 586 mal Letzte Änderung am 29.11.2016