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03.04.2022

Die kannte schon Hildegard von Bingen: Melde

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Bei der Neuanlage des Bauerngartens auf unserem alten Hof haben wir Wert darauf gelegt, heute eher in Vergessenheit geratene Nutzpflanzen zu kultivieren.

Als frühkeimende, robuste und essbare Pflanze haben wir zum Beispiel die Gartenmelde (auch Spanischer Salat oder Maiflitsch genannt) kennen und schätzen gelernt. Im ersten Jahr radelten wir auf Erkundungstour durch die nahegelegenen Ortschaften und sahen eine Gruppe wunderschöner, leuchtend rot gefärbter, etwa zwei Meter hoher Pflanzen dieser alten Sorte, die viele nicht mehr kennen, die aber schon von den Römern aus Südosteuropa und Asien zu uns gebracht worden ist. Im Mittelalter und der Renaissance galt die Gartenmelde als beliebte Gemüse-, Heil-, Zier- und Färbepflanze, wurde dann jedoch nach und nach vom Spinat verdrängt. Es gibt grün-, rot-, und gelbblättrige Gartenmelden-Sorten.
Wir nahmen einige Samenkörner mit, die wir im kommenden Frühjahr an einer sonnigen Stelle aussäten. Melden keimen schon bei niedrigen Außentemperaturen und entwickeln sich schnell. Wo die einjährige Pflanze einmal „angekommen“ ist, versät sie sich gern selbst, wenn man die Blütenstände stehen lässt. Sie blüht in unseren Breitengragen von Juli bis September. Melden gedeihen auf fast allen Böden, sie mögen nur keine zu starke Trockenheit. Geerntet wird sie entweder als Jungpflanze, indem man sie bei einer Wuchshöhe von 15 bis 20 Zentimetern schneidet, oder man lässt sie hoch wachsen und erntet bis zum Beginn der Blütenbildung nur die Blätter und Triebspitzen. Danach schmecken sie bitter. Nach dem Pflücken oder Schneiden der Blätter treiben die Pflanzen immer wieder neu aus, wenn man die unterste Blattachse stehen lässt. Die Zubereitung ist wie beim Spinat: Junge Blätter können roh gegessen und als Salat zubereitet werden, ältere blanchiert man. Gartenmelden sind aber nicht nur für uns Menschen interessant, sie sind auch eine hervorragende Futterquelle für Vögel. Sie blühen in Rispen, an denen unzählige Samen reifen, die zudem noch leicht ausfallen. Ideal für Wildvögel und als Rispe abgeschnitten ein tolles Beschäftigungsfutter für unser Geflügel.

Gartenmelde
Gartenmelde (© Nina Dittmann)

Melde-Spinatsalat mit Sonnenblumenkernen

  • 200 Gramm junger Spinat
  • 50-100 Gramm Rote Meldeblätter
  • 3 EL Sonnenblumenkerne
  • 4 El Raps- oder Distelöl
  • 2 EL flüssiger Honig
  • 2 EL Zitronensaft
  • Salz, Pfeffer

Die Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Fett goldbraun anrösten. Spinat und Melde putzen, waschen und verlesen. Öl, Honig, Zitronensaft, Salz, Pfeffer und ggf. etwas Wasser kräftig verrühren. Mit dem Blattgemüse mischen und mit den Sonnenblumenkernen bestreuen.
Generell passt ein würziges Dressing mit Ölsaaten, Nüssen und/oder Knoblauch sehr gut zu jungem Spinat, nach Bedarf auch warm. Dann fallen die Blätter leicht zusammen, ohne ihren Nährstoffgehalt zu verlieren.

Gelesen 202 mal Letzte Änderung am 03.04.2022
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