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05.12.2020

Nachwuchs bei den Tilapias

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Tilapias gehören zur Gattung der Buntbarsche und werden als günstige Speisefische immer beliebter. Sie sind Allesfresser, widerstandsfähig und ziemlich anspruchslos.

Einzige wichtige Voraussetzung für ihre Haltung ist eine recht hohe Wassertemperatur von mindestens 18 bis 20 Grad Celsius. Einen Artikel zu den Niltilapias (Oreochromis Niloticus), die wir in Hobbyhaltung züchten, findet Ihr hier

Die meisten Tilapia(filets), die man im Handel bekommt, stammen aus großen Farmen in Asien. Dort werden die schnellwüchsigen Fische zu Tausenden in Aquakulturen unter oft mehr als fragwürdigen Bedingungen gehalten. In Deutschland ist es für Selbstversorger oft nicht einfach, an Setzlinge zu kommen, so dass wir seit einiger Zeit unsere Fische selbst nachzüchten.

Nachwuchs bei den Tilapias
Nachwuchs bei den Tilapias (© Nina Dittmann)

Tilapias sind Maulbrüter. Das Männchen baut in seinem Revier eine Paarungskuhle, die das Weibchen aufsucht, sobald es für eine Eiablage bereit ist. Während der teils mehrstündigen Paarung stößt das Weibchen ihre Eier in Schüben aus. Die Anzahl kann mehrere hundert Eier betragen. Zwischen den Eiablagen streift das Männchen immer wieder Samen auf dem Boden ab. Das Weibchen nimmt Eier und Samen sofort ins Maul auf, wodurch die Befruchtung erfolgt. Etwa zwei bis drei Wochen dauert es dann, bis sich die Brut entwickelt hat. In dieser Zeit frisst das Muttertier nicht. Dass ein Weibchen eiertragend ist, erkennt man recht deutlich an einem ausgebeulten Kehlsack und an regelmäßigen „Kaubewegungen“, die es macht, um die Eier bzw. die Embryonen mit frischem Sauerstoff zu versorgen und die Brut vor Verklumpungen zu schützen.
Es empfiehlt sich, das Muttertier während der Brutzeit durch eine Trennwand im Becken von den anderen zu separieren, damit es die nötige Ruhe hat. Schon mehrfach mussten wir beobachten, wie ein tragendes Weibchen von ihren Artgenossen so lange attackiert wurde, bis es die Brut ausgespuckt hat, die postwendend von allen (auch vom Vater) gefressen wurde. Als Trennwand benutzen wir einfaches Fassadengitternetz aus dem Baumarkt, das wir passend zuschneiden und mit zwei Magneten jeweils außen und innen an der Aquarienwand befestigen. Ein Umsetzen des Weibchens in ein anderes Becken empfehlen wir nicht, da der damit verbundene Stress zum Ausspucken der Eier führen kann.

Für eine gelungene Nachzucht von Jungfischen ist es unerlässlich, das Muttertier zum Ende der Brutzeit zu „melken“, wie es in Fachkreisen oft genannt wird. Tut man dies nicht, wird die gesamte Brut postwendend unweigerlich von den anderen Fischen und nach gewisser Zeit sogar von der Mutter selbst verspeist. Sobald die ersten früh entwickelte Fischchen aus dem schützenden Maul entwischen, ist bei Gemeinschaftshaltung zu beobachten, dass sich die Artgenossen um das Maul des tragenden Weibchens scharen oder es jagen und nicht selten dabei verletzen.
Der Zeitpunkt des Abfischens ist sehr wichtig: Zu früh sollte er nicht sein, da die Brut wenig widerstandsfähig ist. Die Sterblichkeitsrate ist recht hoch. Noch nicht schwimmfähige Fischchen liegen mit ihrem dicken Dottersäcken seitlich auf dem Beckenboden und bewegen sich nur mit größter Kraftanstrengung. Die Gefahr einer Besiedelung mit schädlichen Bodenbakterien ist recht hoch. Ein zu spätes Abfischen bedeutet oft, dass das Muttertier sie zumindest zu einem Teil bereits entlassen hat und der Rest beim Abfischen zu schnell ausgespuckt wird. Wir fischen die Kleinen meist nach zweieinhalb Wochen Tragezeit ab. Dafür stecken wir zwei etwa gleichgroße Kescher ineinander, innen einen mit groben und außen einen mit feineren Maschen. Damit fangen wir das tragende Weibchen kurz ab, ohne es komplett aus dem Wasser zu heben. Durch den Schreck entlässt sie die Jungfische, die durch die breiten Maschen in den äußeren Kescher fallen. Das Weibchen wird zurückgesetzt, die Jungfische geben wir für die erste Zeit in ein schwimmendes Aufzuchtbecken, das im Fischbassin bleibt. Wir vermeiden so eine zusätzliche Schocksituation für die Jungfische durch plötzlich veränderte Temperatur- und Wasserverhältnisse.
In dem Aufzuchtbecken ist eine ständige Wasserbewegung wichtig. Die Fischlein dürfen nicht als Pulk aneinander oder auf dem Beckenboden festkleben. Um das zu erreichen, positionieren wir einen schwach eingestellten Luftsprudler in dem Aufzuchtbecken. Die austretende Luft sorgt für ausreichend Strömung. Bei jeder Fütterung heben wir das Becken außerdem regelmäßig an und senken es wieder ab, womit wir einen zusätzlichen Wassertausch bewirken.
Dieser Wasseraustausch ist wichtig, da sich auf dem Beckenboden durch Futterreste, unbefruchtete Eier und nicht lebensfähige Fische eine Bakterienschicht bildet, die den Kräftigeren schadet. Während der ersten Tage sind weitere Sterbefälle unter den Jungfischen normal, da die Umstellung von Dottersack auf Futteraufnahme nicht immer funktioniert. Nehmen sie allerdings erst einmal externe Nahrung zu sich, kann man ihnen beim Wachsen quasi zugucken.
Nach nur einigen wenigen Wochen ist es schon aus Platzgründen ratsam, die Jungfische in ein Extrabecken umzuquartieren. Anfangs hatten wir ein „Kinderbecken“ für alle Nachzuchten vorgesehen, mussten dann aber sehr schnell feststellen, dass die Kleinsten sogar von ihren wenige Wochen älteren Geschwistern aufgefressen werden. Da ein Tilapia-Weibchen etwa alle sechs Wochen Eier trägt, fischen wir seitdem nur noch gezielt ab, wenn es unsere Aufzuchtkapazitäten zulassen.

Werden die Kleinen von Beginn an in einem separaten Aquarium aufgezogen, sollte der Filter mit einem Perlonstrumpf oder mit Insektenschutzgitterstoff ummantelt werden. Die Jungen werden sonst angesaugt oder schwimmen unter Umständen sogar instinktiv selbst in die Pumpe, da sie sie für die Bruthöhle ihrer Mutter halten. Eine unserer ersten Brutchargen befand sich einmal fast komplett im Filter. Glücklicherweise konnten wir sie erkennbar unbeschadet wieder herausholen!

Ihrem schnellen Wachstum geschuldet brauchen Tilapia-Babys ein Futter mit hohem Proteingehalt. Wir füttern ein fein gekörntes Tilapia-Spezialfutter, das wir über das Internet beziehen. Erst wenn die Kleinen größer als ca. drei Zentimeter sind, steigen wir auf gemörsertes Forellenfutter um. Parallel zum Futter geben wir (soweit jahreszeitlich verfügbar) Fadenalgen aus unserem Gartenteich in das Aufzuchtbecken. Es hilft uns, die richtige Futterdosierung zu finden, denn die Algen werden gern als Ergänzungsnahrung genommen, die dauerhaft zur Verfügung steht. Gleichzeitig ist das Algenknabbern eine gute Beschäftigung. Die Geschlechterunterscheidung ist bei den Jungfischen sehr schwierig bis kaum machbar. In Indiz ist das schnellere Wachstum der männlichen Tiere, aber mit Sicherheit lässt es sich erst an ihrem Verhalten feststellen, wenn die Jungen mit etwa einem halben Jahr geschlechtsreif werden.

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