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10.12.2017

Tilapia zur Selbstversorgung

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Fisch steht eigentlich gerne auf unserem Speiseplan, aber im dichtbesiedelten Rhein-Main-Gebiet und fernab von Meeren und Seen fehlte uns bis dato eine zuverlässige Bezugsquelle. Gerade die Berichte über große Aquakulturen, in denen die Fische sehr beengt, mit teils minderwertigem Futter und unter oft unnötigem Einsatz von Medikamenten gemästet werden, führten dazu, dass wir beschlossen, uns unsere eigenen Speisefische ziehen zu wollen. Nur wie?

Ohne Zugang zu fließenden Gewässern oder größeren Teichen, wie sie für die Haltung zum Beispiel von Forellen oder Karpfen erforderlich sind, fiel unsere Wahl auf Tilapia. Die Buntbarschart, die zur Familie der Cichliden gehört und von denen es ca. 1000 verschiedene Arten gibt, ist in der Haltung ausgesprochen anspruchslos. Speziell haben wir uns Nil-Tilapien (Oreochromis Niloticus) ausgesucht, da sie sehr schnellwüchsig sind. Erwachsene Tiere können ca. 50-60 cm lang und bis zu vier Kilogramm schwer werden.
In freier Wildbahn ernähren sie sich überwiegend von Algen und Phytoplankton, verschmähen aber auch kleine Lebewesen nicht. Niltilapien fühlen sich bei einer Wassertemperatur von 20 – 30 Grad am wohlsten. Wir haben uns daher für eine reine Sommerhaltung in einem ungeheizten Gewächshaus entschieden.

Tilapia zur Selbstversorgung
Tilapia zur Selbstversorgung (© Nina Dittmann)

Für das erste Jahr unserer Fischhaltung und die geplant überschaubare Anzahl der Tiere haben wir probehalber ein 300l-Regenfass genommen. Zugegebenermaßen kein riesiges Habitat, aber im Gegensatz zur industriellen Haltung, bei der oft von einem Liter Raumbedarf pro Zentimeter Tier ausgegangen wird, doch so groß, dass sich unsere Fische noch bequem bewegen konnten.
Zu groß sollte ein Tilapiabecken nicht sein, da die Tiere sonst Reviere bilden und sich gegenseitig bekämpfen. Revierkämpfe sind auch der Grund, weshalb man auf eine Innengestaltung des Tanks zum Beispiel mit Höhlen verzichten sollte.

Tilapien fressen alles, was ihnen bekommt, also auch die komplette Bepflanzung des Fischbeckens. Es ist daher überflüssig, den Tank wie in ein Aquarium gestalten zu wollen. Innerhalb kürzester Zeit wären alle Pflanzen verspeist.
Wir haben daher immer mal wieder lange Äste frischer Brunnenkresse oder Wasserminze aus unserem kleinen Gartenteich-Biotop genommen und in das Becken gegeben, um unseren Fischen gewisse Rückzugsmöglichkeiten und Beschäftigung durch Abknabbern zu geben.
Wichtig sind auch kleine Steinchen im Becken (etwas Sand oder unbelastete Erde). Sie werden von den Fischen für ihre Verdauung gebraucht.

Technisch statteten wir das Fischbecken mit einer Stabheizung und recht leistungsfähigen Aquarienpumpe aus. Man braucht eine hohe Luftzufuhr, da in warmem Wasser automatisch weniger Sauerstoff gebunden ist. Ebenfalls elementar wichtig ist ein starker Filter, denn die Fische haben einen enormen Stoffwechselumsatz.
Begonnen hatten wir mit einem gebrauchten Außenfilter für ein 250-Liter-Becken, der im Verlaufe des Sommers aber immer schneller verstopfte und immer häufiger gereinigt werden musste. Das wiederum beeinträchtigt die auf dem Filtermaterial angesiedelten Bakterien, die für die Umwandlung giftiger Stoffwechselprodukte (Ammoniak, Nitrate und Nitrite) in ungefährlichere Stoffe nötig sind. Glücklicherweise fanden wir auf einem Flohmarkt bald einen 500-Liter-Außenfilter.
Und sehr sinnvoll ist eine Abdeckung des Beckens (am besten mit einem Gitter), denn Tilapia springen gerne und hoch hinaus!

Ende April zogen also zwölf, gerade mal vier Wochen alte Nil-Tilapien ein. Sie waren mit etwa 10 Zentimetern noch vergleichsweise klein, waren aber schon enorm gewachsen, wenn man bedenkt, dass Tilapien-Weibchen Maulbrüter sind und meist mehrere hundert Eier in ihrem Maul tragen!
Aufgrund der noch recht niedrigen Außentemperaturen hielten wir die Jungfische zunächst in einem Bassin in unserem Wintergarten. Diese Indoor-Haltung haben wir dann aber so schnell wie möglich aufgegeben, denn die hohe Wassertemperatur lässt eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit entstehen, die wir bald als unangenehm empfanden.

Anfangs haben wir unsere Fische fast ausschließlich mit Wasserflöhen aus einem nahegelegenen Bach und mit Grünzeug aller Art gefüttert. Allen voran Algen, die wir in größeren Mengen in unserem Gartenteich abfischen konnten. Gab es (noch) nicht genügend Algen, haben wir verschiedene Salatarten, Brunnenkresse, Radieschenblätter, Löwenzahn, Klee und manchmal sogar Gras genommen. Unsere Fische waren wirklich wenig wählerisch. Klee und Gras haben wir allerdings sehr zurückhaltend gefüttert, da sich der Filter dadurch noch schneller zugesetzt hat.

Irgendwann jedoch wurden die Fische dann doch so groß, dass eine regelmäßige Zufütterung mit Forellenfutter nötig wurde. Dazu gibt es verschiedene Körnungen im Fachhandel. Alternativ kann man auch Karpfenfutter nehmen, das natürlich - genau wie das Forellenfutter auch - möglichst wenig chemische Zusatzstoffe haben sollte.
Der ständige Hunger unserer Tiere war so beeindruckend, dass wir zum Schluss mehrmals am Tag gefüttert haben. Im nächsten Jahr werden wir einen Futterautomaten einsetzen!

Ende September, als die Temperaturen niedriger wurden und aufgrund der Größe der Fische ein immer häufigerer partieller Wasserwechsel nötig war, kam für uns ziemlich deutlich der Zeitpunkt, das Becken abzufischen. Sinkt die Wassertemperatur unter 15 Grad, fressen die Fische auch kaum noch und wachsen nicht mehr.
In den knapp fünf Monaten zuvor waren sie dagegen enorm gewachsen, auch wenn wir sie nicht gezielt gemästet hatten: Zwar waren sie „nur“ zwischen 21 und 27 cm groß, mit einem Gewicht zwischen 200 und 375 Gramm pro Fisch haben wir jedoch eine für uns jeweils ausreichende Menge für eine Mahlzeit.
Übrigens sollte man beim Abfischen und Ausnehmen unbedingt dicke Handschuhe anziehen, denn Tilapias haben Stacheln auf dem Rücken, die richtig wehtun können!

Tilapias können, wie anderer Fisch auch, gegrillt, gebraten oder gedünstet werden. Das Fleisch ist weich, süßlich und erinnert geschmacklich an Scholle. Sehr lecker, nächstes Jahr machen wir weiter!

Gelesen 3648 mal Letzte Änderung am 10.12.2017