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29.03.2017

Kraftpakete Wachteleier

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Noch ein untrügliches Zeichen, dass es endlich Frühling wird: Unsere Wachteln legen wieder Eier. Über unsere Minihühnchen für kleine Gärten habe ich ja schon geschrieben. Nun haben sie nach ihrer natürlichen Winterpause wie auf Kommando gleichzeitig wieder mit dem Legen begonnen und wir haben ein frisches, gesundes Lebensmittel mehr auf unserer saisonalen Zutatenliste.

Grundsätzlich werden Wachteleier nicht anders zubereitet als Hühnereier, aufgrund ihrer Größe gibt es nur einige Besonderheiten, die aber gleichzeitig den Reiz ausmachen:

- Farbe und Sprenkelung der Eier sind kein Qualitätsmerkmal. Sie sind von Henne zu Henne unterschiedlich und differieren sogar innerhalb eines Geleges. Ursprünglich als Tarnung gedacht, ist jedes Ei einzigartig. Die Variationen reichen von dunkelbraun zu blau oder weiß, mit braunen, schwarzen oder blauen Sprenkeln.

- Haltbarkeit: Nach japanischen und indischen Studien sind Wachteleier länger haltbar als Hühnereier, weil ihre Schale dicker ist. Im Kühlschrank sind sie nach diesen Untersuchungen 60 Tage ohne wesentliche Veränderung und bis zu 78 Tage in einem akzeptablen Zustand genießbar. Übrigens ist ein Frischetest bei Eiern aus Hobbyhaltung ganz einfach: Ein Gefäß mit Wasser füllen und das Ei hineingeben. Jedes Ei hat eine Luftblase am stumpfen Pol, die sich mit zunehmendem Alter vergrößert, da durch die Schale Feuchtigkeit entweicht. Bleibt das Ei am Boden, ist es frisch. Entsteht eine Schräglage, d.h. dass der stumpfe Pol sich Richtung Wasseroberfläche neigt, ist das Ei etwa eine Woche alt, aber in Ordnung. Steigt das Ei an die Oberfläche, ist es verdorben.
Bei gewerblich produzierten Eiern kann es vorkommen, dass die Luftblase durch Lagerungs- und Transportbedingungen künstlich beeinflusst wurde. Sie entspricht nicht dem tatsächlichen Alter des Eis. Das lässt sich dann erst beim Aufschlagen feststellen: Ein frisches Ei hat ein deutlich gewölbtes Dotter mit einer festen Membran und ein festes Eiklar mit zwei verschiedenen Zonen. Ein altes Ei ist im Dotter flacher und platzt schneller auf, das Eiklar läuft weiter auseinander.

- Hartgekochte Wachteleier müssen vor dem Kochen nicht angestochen werden, die Schale ist stabil genug. Nach Möglichkeit keine ganz frisch gelegten Eier verwenden, da Eihaut und Eiweiß noch stark miteinander verbunden sind und sich die Eier sehr schlecht pellen lassen. Die gewünschte Anzahl am besten mit Zimmertemperatur ins Wasser geben, dann platzen sie nicht. Einige wenige Wachteleier zu Dekozwecken kann man schnell und energiesparend in einem Teesieb im Wasserkocher zubereiten. Hartgekochte Wachteleier benötigen etwa vier Minuten. Zum Schälen auf einem Küchenpapier rollen bis die Schale bröckelt. Am besten lassen sie sich pellen, wenn sie noch warm sind und in Wasser gelegen haben. Zum Schluss unter fließendem Wasser die letzten Schalenreste abspülen.

- Spiegeleier: Für das mühselige Öffnen von Wachteleiern gibt es eine ganz tolle Zange, die wie eine Bastelschere mit einer einseitig verdickten Schneide aussieht. Damit gibt es garantiert keine Schalenreste im Ei. Wer so eine Zange nicht hat, sollte das Ei vorsichtig anklopfen und dann die Eihaut extra mit einem spitzen Messer durchstoßen. Sie ist so dick, dass anderenfalls das Eigelb beim Aufschlagen beschädigt werden kann. Sollen mehrere Eier zubereitet werden, empfiehlt es sich, zunächst alle in einen tiefen Teller aufzuschlagen und dann gemeinsam in eine gefettete Pfanne gleiten zu lassen. So bekommt man ein leckeres „Riesenspiegelei“ mit vielen Augen. Die Eier übrigens erst nach dem Fertigbraten würzen, sonst entstehen unschöne Flecken auf den Dottern. Sofort servieren, denn schon nach recht kurzer Zeit fallen die Spiegeleier in sich zusammen und verlieren ihre Appetitlichkeit.

- Verlorene Eier: Die Eier einzeln auf eine Untertasse aufschlagen, nacheinander vorsichtig in kochendes Salz-Essigwasser gleiten lassen. Etwa vier Minuten kochen lassen, dann mit einer Schaumkelle herausnehmen. Gut geeignet als Suppeneinlage oder zu Kartoffeln mit einer Senf- oder Kräutersoße.

- Wachteleier lassen sich auch gut in einem Alufolienkörbchen auf dem Grill garen oder sind dekorativ z.B. auf einem Raclette-Pfännchen. Alternativ kann man auch eine gefettete Silikonbackform für Muffins oder Minikuchen nehmen, schlägt die Eier hinein und lässt sie ca. fünf Minuten bei 150 Grad stocken.

- Backrezepte: Hühnereier lassen sich in der Rezeptur problemlos durch Wachteleier ersetzen. Man rechnet vier Wachteleier für ein Hühnerei. Gibt man zu einem Hefeteig ein Wachtelei (auch evtl. außerhalb des Rezepts), erhält der Teig ein goldgelbes Aussehen und wird lockerer. Rohes Eiklar und Eigelb halten sich im Kühlschrank bis zu vier Tage. Dazu etwas Wasser in das Gefäß geben, damit die Oberfläche nicht eintrocknet. Das Wasser vor der weiteren Verwendung vorsichtig abschütten.

Übrigens vertragen viele Hühnereiweiß-Allergiker die Eier anderer Vogelarten ohne Probleme. Offenbar reicht es, dass die Zusammensetzung der Inhaltsstoffe ein klein wenig anders ist. So ist es durchaus möglich (wie wir erlebt haben), dass jemand bereits Reaktionen zeigt, wenn er oder sie ein Hühnerei nur aufschlägt, der Verzehr von Wachteleiern aber durchaus möglich ist. Wie so oft hilft nur vorsichtiges Ausprobieren. Wachteleier können durchaus eine Alternative zum völligen Verzicht sein!

Noch dazu werden Wachteleiern seit mehreren tausend Jahren heilende Kräfte nachgesagt. Bereits vor 3000 Jahren soll ein chinesischer Gelehrter mit der Grundlagenforschung angefangen haben. In der Naturmedizin des Mittelalters waren Heilprodukte rund um die Wachtel und ihre Eier sehr verbreitet.
Inzwischen wurde durch verschiedene internationale Studien bewiesen, dass Wachteleier für Menschen besondere gesundheitsfördernde Wirkungsweisen haben. Sie steigern das allgemeine Wohlbefinden, stärken Abwehrkräfte und Gedächtnisleistung und lindern Allergiebeschwerden bei Asthma, Neurodermitis, Heuschnupfen und dergleichen. Basis für die Beschwerdelinderung ist, dass das Eiweiß der Wachteleier die Bildung von Histamin verhindert, indem die Zellen gegen die allergieauslösenden Stoffe desensibilisiert werden.

Es sind also wahre Kraftpakete der Natur, diese kleinen gesprenkelten Eier – und auch deshalb möchten wir nicht mehr auf sie verzichten!

Zum Abschluss noch unser Lieblingsgericht mit Wachteleiern:

Lecker‘ Wachtelei-Spaghettini-Nester
Wachtelei-Spaghettini-Nester (© Nina Dittmann)

Wachtelei-Spaghettini-Nester mit Rucola auf Parmaschinken

  • 4 Scheiben Parmaschinken
  • 100 Gramm Spaghettini
  • 200 Gramm Rucola-Salat
  • Grünes oder rotes Pesto
  • 4 Wachteleier
  • Salz Pfeffer, Paprikapulver
  • Parmesankäse

Die Spaghettini in gesalzenem Wasser bissfest kochen und abtropfen lassen.
Eine Auflaufform fetten und die Schinkenscheiben gleichmäßig darin verteilen.
Die Nudeln noch heiß in Portionen auf die Schinkenscheiben geben und durch Drehen mit einer Gabel zu kleinen Nestern formen. In der Mitte eine Vertiefung lassen. Anschließend den Rucola-Salat waschen und zerkleinern und mit der Pestosoße vermengen. Ggf. mit Olivenöl und frisch geriebenem Parmesankäse verfeinern. Die Rucola-Pesto-Mischung auf den Nestern verteilen und jeweils ein Wachtelei aufgeschlagen in die Mitte geben.
Im vorgeheizten Backofen 15 Minuten bei 200 Grad backen, bis die Eier gut durchgestockt sind.

Gelesen 3980 mal Letzte Änderung am 30.03.2017
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