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09.02.2021

Extrem vom Aussterben bedroht: Sachsenhühner

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Das ist es, unser erstes Tierkind in 2021: Ein kleines Sachsenhuhn.
Sachsenhühner stehen auf der Roten Liste der bedrohten Rassen und sind vom Aussterben bedroht (Kategorie 1-extrem gefährdet).

Die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen (GEH) hat auf ihrer Webseite folgende Rassebeschreibung veröffentlicht:
„Sachsenhühner gibt es in den Farbschlägen weiß, schwarz, gelb und gesperbert.
Ausgesprochenes Nutzhuhn mit kräftigem, etwas langgestrecktem Rumpf auf mittelhoher Stellung. Das sogenannte Kissen (die Bürzelgegend) ist mittelmäßig, der Legebauch gut ausgebildet. Beide Geschlechter tragen kleine, einfache Stehkämme. Weiterhin charakteristisch sind die kurzen Kehllappen und die kleinen, weißen Ohrscheiben.
Der Hahn wird 2,5 bis 3 kg schwer, die Henne 2 bis 2,5 kg.
Die schwarzen Sachsenhühner - zahlenmäßig am stärksten vertreten - sind in ganz Deutschland verbreitet. Die Farbenschläge weiß und gesperbert sind am wenigsten zu finden. Ihr Vorkommen beschränkt sich im Wesentlichen auf Hessen, das Vogtland und den Harz. Ende des 19. Jahrhunderts wurden die Ahnen der heutigen Sachsenhühner durch Kreuzung von schwarzen Minorka und schwarzen Langschan erzüchtet. Ziel war die Herauszüchtung eines für das raue Klima geeigneten Leistungshuhns. Durch die Einkreuzung von Sumatra wurde die Kammgröße verringert und somit Erfrierungen bei Frost vorgebeugt. Bis 1923 gab es nur den schwarzen Farbenschlag. Die neu aufkommenden Farbschläge wurden im 2. Weltkrieg fast vernichtet.
Das Sachsenhuhn zeichnet sich besonders durch klimatische Unempfindlichkeit, leichte Aufzucht, Frühreife und ruhiges Temperament aus. Es ist ein eifriger Futtersucher. Die Henne erreicht eine Eierleistung von 180 hellgelben bis hellbraunen Eiern pro Jahr mit einem Mindestgewicht von 55 g. Die Brutlust ist nicht sehr stark entwickelt.
Um die Jahrhundertwende war das Zuchtziel nicht nur auf Äußerlichkeiten gerichtet, sondern auf wirtschaftliche Aspekte wie Widerstandsfähigkeit, sparsamen Futterverbrauch und hohe Legetätigkeit.“

Extrem vom Aussterben bedroht: Sachsenhühner
Extrem vom Aussterben bedroht: Sachsenhühner (© Nina Dittmann)

Über mehrere Brutvorgänge mit Eiern verschiedener Herkunft haben wir uns in den letzten beiden Jahren einen kleinen Zuchtstamm Sachsenhühner aufgebaut, um zum Erhalt dieser aussterbenden Rasse beizutragen. Momentan halten wir sie 1:5.
Der Weg zu unserer Schar war etwas steinig: Einmal wurden die untergeschobenen Bruteier bei der Naturbrut einer Hybridhenne im Kampf um das beliebteste Nest von den anderen fast alle kaputtgetreten und einmal bestand der komplette Schlupf nur aus Hähnen. Ärgerlich, wenn man eine Zucht anstrebt! Bei einem weiteren Versuch in Kunstbrut lag die Schlupfrate deutlich unter 50 Prozent und auch dieses Mal hat leider nur ein einziges Küken den Weg aus seiner Schale gefunden. Warum das so war, konnten wir noch nicht klären. Beim Schieren haben wir festgestellt, dass die Eier fast alle befruchtet waren, in ihrer Entwicklung aber irgendwann stehengeblieben sind. Vielleicht waren die Hennen noch zu jung. Wir haben sehr frühe Eier genommen, um die Befruchtungsfähigkeit unseres Hahns zu testen.
Damit unser Kleines nicht allein bleiben muss, denn Hühner sind ja bekanntlich sehr soziale Tiere, haben wir ihm sieben gleichaltrige gesperberte Mechelner-Küken aus der Umgebung dazugekauft. Mechelner Hühner sind eine schwere Fleischrasse, die ebenfalls auf der Liste der bedrohten Nutztierrassen steht (Kategorie 2, stark gefährdet). Mit ihnen wollen wir auf unserem Hof einen zweiten Zuchtstamm alter einheimischer Geflügelrasse aufbauen. Wir sind gespannt, wie sich alles weiterentwickelt, denn dass der Genpool der früheren robusten Nutztierrassen nicht für immer verschwindet, liegt uns sehr am Herzen!

Gelesen 79 mal Letzte Änderung am 09.02.2021