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14.06.2018

Nachwuchs bei unseren Soays

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Den gesamten vergangenen Winter über wussten wir gar nicht, ob unsere drei Soayschaf-Auen überhaupt trächtig waren, was aber auch von erfahrenen Züchtern immer wieder so berichtet wird.

Brunftzeit ist im Oktober/November, die Tragezeit dauert 146-156 Tage. Erst im Endstadium der Trächtigkeit schwellen die Euter an und man erkennt mehr oder weniger dicke Babybäuche.
Mitte April war es dann aber soweit: Innerhalb von nur 12 Stunden wurden vier kräftige Lämmer auf unserer Weide geboren. Das erste kam in der Nacht, das zweite am Vormittag und am frühen Nachmittag bekam Tilly, unsere Älteste, sogar Zwillinge – vor meinen Augen.

Nachwuchs bei unseren Soays
Nachwuchs bei unseren Soays (© Nina Dittmann)

Es war ein beeindruckendes Erlebnis, die Geburt zu beobachten. Tilly ist für ein Soay-Schaf recht zutraulich, und so lammte sie im Schatten einiger alter Obstbäume nicht weit vom Zaun entfernt innerhalb von nur etwa zwei Stunden. Zuerst trat eine blassgelbe Fruchtblase aus, was die werdende Mama aber zunächst noch nicht vom Grasen abhielt. Erst als die Blase geplatzt war, legte Tilly sich hin. Die Geburt schritt schnell voran, und nach einigen ganz offensichtlich heftigen Presswehen rutschte das Lämmchen bis zu seiner Körpermitte heraus. Tilly stand auf und drehte sich so um ihre eigene Achse, dass das Kleine in einem Schwall Flüssigkeiten auf den Boden plumpste. Sofort leckte sie es ab, und auch das Lamm nahm Kontakt zu seiner Mutter auf. Bis zur Geburt des Zwillings dauerte es etwa 20 Minuten. In dieser Zeit war das Erstgeborene schon recht sicher auf seinen Beinchen und tänzelte um die Mutter herum. Abwechselnd im Stehen und im Liegen bauten Mutter und Kind ihre gegenseitige Bindung auf.
Bei Tilly trat erneut eine Fruchtblase aus, die schnell platzte, dann sah man bereits die kleinen braunen Vorderläufe des Zwillings. Der Geburtskanal war natürlich entsprechend geweitet, so dass das Lamm schnell das Licht der Welt erblickte. Wie sein Geschwisterchen auch fiel es nach deutlich weniger Presswehen und einer Körperdrehung im Stehen mit einem gewissen Schwung auf die Wiese. Trotz seiner unsanften Landung begann es sich mit einer erstaunlichen Kraft sofort aufzurappeln.
Tilly erholte sich ebenso schnell von den Strapazen und kümmerte sich - wie unsere beiden anderen Auen auch - vom ersten Moment an rührend um ihre Kleinen. Ein kleines Handy-Filmchen zur Geburt findet Ihr hier.
Die Geburten waren also komplikationslos verlaufen, diesbezüglich gab es keinen Grund zur Besorgnis. Mehr Kopfzerbrechen bereitete uns die kommende erste Nacht. Erwachsene Soay-Schafe sind mit einer Widerristhöhe von 45 bis 60 cm schon von Natur aus recht klein, ihre Lämmer sind also geradezu winzig. Bei ihrer Geburt haben sie etwa die Größe einer Hauskatze und wiegen ca. 1000 bis 1500 Gramm.
Ein mehr als geeignetes Futter also für Füchse und andere Fressfeinde, von denen es viele in unserer Region gibt. Und auch üble Erfahrungsberichte aus der direkten Nähe waren uns zu Ohren gekommen, wonach Krähen sich mit Vorliebe auf die frischgeborenen Schäfchen stürzen und ihnen die Augen auspicken. Was für eine grauenhafte Vorstellung!
Bis zum Einbruch der Dunkelheit blieben wir also in der Nähe und bewachten unsere nun innerhalb eines Tages verdoppelte Herde gegen mögliche Fressfeinde. Zum Glück aber stellten unsere Auen ihre Mutterinstinkte bei Anbruch der Nacht beeindruckend unter Beweis. Alle drei verbrachten ihren Nachwuchs gezielt in den eingestreuten Unterstand und sorgten dafür, dass die Kleinen in den hintersten, geschützten Bereich lagen. Sie selbst legten sich vorn an die offenen Seiten und Frodo, unser Bock, patrouillierte beinahe ununterbrochen.
Wir Menschen entsorgten die Nachgeburten gründlich und sperrten den Weidebereich, in dem die Jungtiere auf die Welt gekommen waren, für die Nacht zusätzlich mit Gittern ab. Fuchs und Co., die durch Geburtssekrete angelockt werden könnten, sollten so wenigstens eine gewisse Barriere zur Herde vorfinden.
Es war erfolgreich, bei der frühmorgendlichen Kontrolle fanden wir alle Lämmer fit und munter vor. Wir waren mehr als erleichtert, denn mit jeder Stunde wurden sie so deutlich flinker, so dass zumindest von den Krähen her schon am nächsten Tag keine Gefahr mehr drohte.

Inzwischen sind die Kleinen schon mehrere Wochen alt und enorm gewachsen. Alle Vier zusammen bilden sie eine richtige kleine „Jugendgruppe“, schon häufig losgelöst von ihren Müttern. Sie toben, rennen und springen über die Wiese und üben bereits fleißig schafstypische Verhaltensweisen. Es sind übrigens zwei kleine Auen und zwei Böckchen, die Zwillinge sind ein Pärchen. Der stärkere unserer beiden Böcke, das „Einzelkind“, beginnt bereits, seinen Vater zu provozieren und bei seinen Halbschwestern aufzusteigen – im zarten Alter von gerade mal zwei Monaten. Noch lässt Herdenchef Frodo sich nicht aus der Ruhe bringen, was sich aber sicherlich bald ändern wird.
Im August/September, wenn die Lämmer entwöhnt sind, suchen wir ein neues Zuhause für sie, um Inzucht vorzubeugen. Bei Interesse könnt Ihr euch gern bei uns melden!

Gelesen 135 mal Letzte Änderung am 14.06.2018
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