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03.05.2017

Schwäbisch-Hällisches Landschwein

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Dieses Frühjahr sind zwei neue Schweinchen auf unserer Weide eingezogen: Zwei Schwäbisch-Hällische. Wie alle unsere Schweine gehören sie einer gefährdeten Nutztierrasse, die nach der Roten Liste der GEH als stark gefährdet (Stufe II) gilt. Die beiden Jungsauen stammen aus der Region, und da war für uns das ausschlaggebende Argument zur Entscheidung für diese Rasse. Den Stress eines langen Transports wollten wir unseren Tieren nicht antun!

Die beiden stammen aus einem Bio-Betrieb mit idealen Haltungsbedingungen: Genug Platz, ein sauberer Stall und Auslauf nach Wunsch. Toll, doch immer mal wieder echte Bilderbuchbedingungen für Schweine erleben zu können, denn viel zu oft sieht man sich ja mit den lebensunwürdigen Zuständen in der industriellen Schweinemast konfrontiert.

Schwäbisch-Hällische Landschweine stammen – wie der Namen schon aussagt – aus dem Raum Schwäbisch-Hall in Baden-Württemberg. Der dortige König Wilhelm I führte um 1820 chinesische Maskenschweine ein, durch deren Kreuzung mit einheimischen Rassen die Schwäbisch-Hällischen Schweine entstanden. Mehr Geschichtliches findet Ihr hier und einen kleinen ARD-Fernsehbeitrag vom Januar diesen Jahres hier.

Schwäbisch-Hällische Landschweine
Schwäbisch-Hällische Landschweine (© Nina Dittmann)

Die Eber der Rasse werden etwa 90 cm hoch (Widerrist) und 275–350 kg schwer, die Sauen etwa 80 cm hoch und 222–275 kg schwer. Kopf, Hals und Hinterbeine der Tiere sind schwarz, Vorderbeine und Körper hell. Am Übergang zwischen hellen und dunklen Partien findet sich dunkel pigmentierte Haut mit hellen Haaren, die eine Art Saum bilden.

Ihre Zeichnung führte übrigens auch zur außergewöhnlichen Namensgebung für unsere beiden Neuen: Sie heißen „Ohne-Hose“ und „Mit-Hose“. Eigentlich sind wir noch auf der Suche nach „richtigen“ Namen, brauchten aber recht flott eine sprachliche Unterscheidung. Die ergab sich, weil die eine Sau eine größere dunkle Partie am Hinterteil hat, die aussieht wie eine Hose…
Falls aber jemand passende Ideen für die endgültigen Namen hat, immer gerne!

Obwohl die Schwäbisch-Hällischen wie viele andere alten Schweinerassen gute Muttereigenschaften haben, robust, genügsam und friedlich sind, blühte ihnen trotz einer hohen Fleischqualität das Schicksal, das sie mit so vielen heute seltenen Nutztierrassen teilen: Sie wären fast ausgestorben. Grund war auch hier der veränderte Verbrauchergeschmack hin zu magerem Fleisch.
Mitte der 80er Jahre baute man zum Glück mit dem winzigen Genpool wieder eine neue Zucht auf, von der heute alle Schwäbisch-Hällischen Landschweine abstammen.
1987 erklärte die GEH die Schweinerasse zur „gefährdeten Nutztierrasse des Jahres“.

Heute gibt es wieder gesicherte Bestände, auch außerhalb Baden-Württembergs, und zwei Exemplare tollen nun über unsere Weiden. Darüber freuen wir uns!

Durch ihre artgerechte Herkunft waren und sind unsere Tiere absolut entspannt. Der Transport verlief ohne erkennbaren Stress oder Angst, vielmehr begannen die zwei nach ihrer Ankunft sofort ruhig zu grasen und ihre neue Weide zu erkunden. Sie lagen schon am nächsten Tag langgestreckt in der Frühlingssonne, bereiteten sich in ihrem Koben eine gut gepolsterte Schlafkuhle, fraßen uns aus der Hand und forderten schweinetypisch schon nach zwei Tagen Krauleinheiten ein, indem sie sich in unserer Nähe auf die Seite plumpsen ließen und alle Viere von sich streckten. Die eine Jungsau hebt sogar regelmäßig das obere Hinterbein, um ihren Bauch noch besser präsentieren zu können. Wie kleine Hunde, der Vergleich drängt sich uns immer wieder auf.

Gerade erleben wir es wieder live: Das berühmte Schweineglück, auf das wir nicht mehr verzichten möchten!

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