04.10.2016

Muttersaft und Sirup

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„Das macht meine Oma schon lange nicht mehr“, meinte neulich ein Freund unseres Sohnes beim Anblick meines Turmentsafters in der Küche. Ich musste herzhaft lachen, denn bei uns ist er im Sommer quasi im Dauerbetrieb. Am liebsten entsafte ich Rhabarber, Himbeeren, Brombeeren, Johannesbeeren oder Pfirsiche.


Allerdings muss ich gestehen, dass wir im Vergleich zu früher logistisch aufgerüstet haben. Einen alten Entsafter würde ich nicht mehr empfehlen, da er meist noch aus Aluminium ist. In den letzten Jahren hat man mehrfach die gesundheitsschädliche Wirkung von Aluminium wissenschaftlich festgestellt, unter anderen besteht der Verdacht, dass es ein Auslöser für Alzheimer sein kann. Durch die Hitzeeinwirkung beim Entsaften besteht - verbunden mit der Fruchtsäure - sicher die Gefahr, dass schädliches Aluminium gelöst wird. Ich habe mir daher recht bald einen Entsafter aus Edelstahl gekauft.

In wenigen Schritten können bis zu fünf Kilo Früchte auf einmal verarbeitet werden. Vorbereitet werden muss nicht viel: Beeren müssen nicht entstielt werden, Steinobst nicht entkernt. Das Obst wird ganz (Beerenobst) oder grob zerkleinert (Steinobst oder Rhabarber) in den Fruchtkorb des Entsafters gelegt. Im untersten Topf wird Wasser verkocht. Der Dampf erhitzt das Obst im obersten Topf, die Zellen platzen und die Früchte geben den „Muttersaft“ in den mittleren Topf ab.
Die Einkochzeit beträgt bei Rhabarber, Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren ca. 30-45 Minuten, bei Kirschen, Pflaumen, Stachelbeeren und Pflaumen 24-55 Minuten und bei Äpfeln, Birnen und Quitten 60-75 Minuten. Wenn kein Saft mehr aus dem Früchtekorb tropft, ist die Entsaftung fertig. Danach setzen sich nur noch Wassertropfen aus dem Dampf ab, die den Muttersaft unnötig verwässern.

Leckere Himbeeren
Leckere Himbeeren (© Nina Dittmann)

Damit er auch wirklich nicht mehr kippt, koche den Saft anschließend mit etwa 150 Gramm Zucker pro Liter noch einmal auf und gebe ihn heiß in wiederverwendbare, vorher heiß ausgespülte Twist-off-Flaschen, die ich sofort verschließe.
Kühl und dunkel gelagert bleibt unser Sirup viele Monate haltbar. Wir kaufen so gut wie keine Säfte mehr, der Sirup bietet das ganze Jahr über ausreichend Abwechslung.

Anfangs hatte ich noch eine haushaltsübliche Saftzentrifuge, habe aber recht schnell festgestellt, dass das Procedere für mich zu umständlich ist. Das Obst musste gewaschen, entkernt und zerkleinert werden. Dazu musste ich jede Frucht einzeln in die Hand nehmen und in den Einfüllstutzen geben. Arbeitsgeräte und Entsafter klebten von Fruchtzucker, den eigentlichen Saft musste ich nochmal extra filtrieren und hinterher aufkochen, damit er möglichst appetitlich und lange haltbar wurde. Ungekocht verdirbt er schnell. Dazu brauchte ich viele Arbeitsmittel, Töpfe und Schüsseln, die alle wieder abgewaschen werden wollten. Was für ein Aufwand für drei oder vier Flaschen Saft!
Und auch eine auf einem Flohmarkt erstandene Handpresse aus Edelstahl hat sich für uns als wenig praktikabel dargestellt. Mit verhältnismäßig viel Kraft musste ordentlich Druck aufgebaut werden, damit der Saft überhaupt lief. Trotzdem blieb noch viel Restsaft im Fruchtbrei, so dass auch hier Aufwand und Ausbeute in keinem rechten Verhältnis standen. Der Dampfentsafter liegt daher unangefochten an Position eins meiner Saftpressen, und spöttische Bemerkungen nehme ich dabei gern in Kauf!

Gelesen 908 mal Letzte Änderung am 04.10.2016
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