20.05.2017

Soay-Schafe

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Seit Mitte September letzten Jahres haben wir eine neue seltene Nutztierrasse auf unserer Minifarm: Soay-Schafe.

Wie die meisten unserer Tiere stehen auch die Soay-Schafe auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen. Sie stammen ursprünglich von einem kleinen Archipel nordwestlich von Schottland, genauer gesagt von der 99 ha großen Insel Soay. Dort sollen sie von den ersten Seefahrern als Fleischreserve zurückgelassen worden sein.
Die klimatischen Bedingungen in dieser Gegend sind besonders rau, und das Soay-Schaf hat sich in den vergangenen etwa 5000 Jahren diesen extremen Bedingungen angepasst: Es ist ein robustes, kleines und widerstandsfähiges Schaf, das gut ganzjährig draußen gehalten werden kann.

In Deutschland gibt es zwei Farbtypen, eine dunkelbraune und eine cremefarbene. Anders als in England und in den Niederlanden, denn dort kommen auch ganz einfarbige und gescheckte Soays vor.
Der englische Wissenschaftler Prof. Peter Jewell prägte die Begriffe Parksoay, wie sie ausschließlich in Deutschland vorkommen und Kildasoay, wie es sie auf Soay und in England gibt. Kildasoay gibt es mit und ohne Hörner in den Farben dunkel und hell. Parksoay sind immer behornt, mit dunklem oder hellem Fell.
Das Gewicht eines ausgewachsenen Widders liegt bei etwa 40 kg, das eines Mutterschafs um die 25 kg.
Die Lämmer kommen wie bei anderen Schafarten auch allermeist im April oder Mai nach einer Tragezeit von 146 bis 156 Tagen auf die Welt, mit einem Geburtsgewicht von gerade mal etwa 1,5 kg. Echte Winzlinge, für die ein Schutz vor Räubern (Füchse oder Marder) unbedingt erforderlich ist.

Herde Soay-Schafe
Herde Soay-Schafe (© Nina Dittmann)

Von Besuchern werden unsere Schafe werden wegen ihrer sichelförmig nach hinten gehenden Hörner häufig mit Ziegen verwechselt, obwohl sie eine schafstypisch dicke Wolle haben. Insgesamt ähneln Soay-Schafe den Mufflons, und wenn unser kleiner Bock eines Tages ausgewachsen ist, werden seine Hörner (auch Schnecken genannt) ebenso bogenförmig nach außen gedreht sein und bis zu 50 cm lang werden können.

Anfangs hatten wir zwei Böcke. Die Brüder Frodo und Felix kamen im September 2016 zu uns, eigentlich gedacht als kleine Rasenmäher auf den Weideparzellen, die gerade nicht von unseren Freilandschweinen genutzt werden. Der Züchter hatte uns geraten, zwei männliche Tiere zu nehmen, wenn keine Zuchtambitionen bestehen. Eine Besonderheit bei Soay-Schafen ist nämlich, dass sie ihre Wolle von April bis Juni selbst abwerfen. Sie müssen also nicht geschoren werden, was für Hobbyhalter ein wesentlicher Vorteil ist. Werden allerdings ungedeckte weibliche Tiere (Auen) gehalten, kann es sein, dass sie ihre Wolle behalten. Das war für uns damals das ausschlaggebende Argument, zwei männliche Tiere zu kaufen.

Die beiden kleinen Böcke bereiten uns am Anfang sehr viel Freude.
Eigentlich wird der Rasse nachgesagt, recht scheu zu sein, dieses konnte man aber von unseren Beiden (wie von allen unseren anderen Tieren auch) überhaupt nicht behaupten. Nach etwa einer Woche Eingewöhnungszeit fraßen sie aus der Hand und kamen erwartungsvoll so nah an das Weidetor, dass man kaum eintreten konnte. Sie hofften auf ein Stück trockenes Brot und liefen uns erwartungsvoll hinterher, bis sie endlich belohnt wurden. Zwischendurch ließen sie sich oft und gern am Kopf kraulen, insbesondere zwischen den Hörnern.

Im Vorfrühling jedoch, als unsere Böcke halbwüchsig wurden und der Hormonspiegel anstieg, begann Frodo seinen Artgenossen anzugreifen. Zuerst nur zurückhaltend, so dass wir es für normale Rangordnungsauseinandersetzungen hielten, dann aber wurden die Angriffe heftiger. Eines Tages mussten wir beobachten, wie Frodo dem anderen Bock mit Anlauf die Hörner unvorbereitet und unter Ausnutzung der Arglosigkeit dermaßen heftig in die ungeschützte Seite rammte, dass dieser durch die Luft geschleudert wurde und nicht mehr aufstand. Sofort trennten wir die beiden, aber es war zu spät. Felix hatte offenbar innere Verletzungen davongetragen, an denen er bald darauf starb.
Wir waren sehr traurig, denn so hatten wir uns unsere Schafshaltung nicht vorgestellt. Frodo wurde von Tag zu Tag einsamer, so einsam wie es ein Herdentier in Einzelhaltung nur werden kann. Unruhig lief er große Teile des Tages am Zaun entlang und rief nach Artgenossen. Seine Anschmiegsamkeit an uns Menschen wurde schon fast aufdringlich, so vehement forderte er Aufmerksamkeit. Es musste was geschehen, der Zustand war nicht artgerecht und nicht natürlich.

So übernahmen wir einige Zeit später drei Auen von einem Schafhalter, der auf eine andere Rasse umstellen wollte. Ein Glücksfall, denn im Frühling geeignete Tiere zu finden, die zusammen abgegeben werden sollen, ist nicht einfach und Soay-Schafe sollten mindestens im Verhältnis 3:1 gehalten werden. Trächtige Weibchen oder aber Muttertiere mit Lämmern wollten wir bei Frodos unrühmlicher Vergangenheit nicht riskieren. Mit drei ungedeckten Auen jedoch, die allesamt größer und älter als er waren, befürchteten wir kaum Probleme. Und so war es auch: Die Zusammenführung klappte hervorragend. Alle Vier beschnupperten sich eifrig, rannten einige dolle Runden über die Weide und hatten sich schnell aneinander gewöhnt. Frodo zeigt sich zwar bis heute betont männlich, indem er seine Auen immer im Blick behält, regelmäßig deren mögliche Paarungsbereitschaft prüft und angebotene Leckerbissen nur widerwillig an seine Damen abtritt. Dennoch wird er nie aggressiv, geschweige denn arglistig, und weist seine Damen nur sachte in ihre Schranken. Eine ruhige, zufriedene kleine Herde, in der Frodo nichts von seiner Zutraulichkeit verliert und die Auen mit seiner Aufgeschlossenheit und Neugier ansteckt.

Unsere Schafe passen perfekt zu den anderen seltenen Nutztierrassen auf unseren Weiden: Sie sind widerstandsfähig, können in einem zugfreien Unterstand draußen überwintern und sind leicht zu halten.

Ihr Futter suchen sie sich selbst, zusätzlich geben wir ihnen nur einige Gemüseabfälle und als Leckerli etwas trockenes Brot.

Die Soays sind eine tolle Bereicherung unserer „Miniarche“ und wir freuen uns, ungenutzte Weideparzellen während in der Regenationsphase nicht mehr selbst mähen zu müssen!

Gelesen 2548 mal Letzte Änderung am 21.05.2017